Philosophie

Im Projekt „Pflegebegleiter“ wurde – unter Federführung und Verantwortlichkeit des Forschungsinstitut Geragogik (Witten) – ein neues Konzept entwickelt, erprobt und evaluiert, das auf die Begleitung pflegender Angehöriger durch speziell qualifizierte Freiwillige zielt. Es setzt auf die persönliche Entwicklung vertrauensvoller Beziehungen – nicht auf Dienstleistungen – und es orientiert sich an den Prinzipien von Wahlfreiheit und Selbstbestimmung.

Das Angebot ist nachbarschaftlich, unentgeltlich und offen. Es ist geprägt vom gemeinsamen Lernen im Austausch, vom Geben und Nehmen zwischen den pflegenden Angehörigen und den Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleitern. Diese verstehen sich in einer Art „Brückenfunktion“ – sie geben pflegenden Angehörigen Informationen über Entlastungsmöglichkeiten und Hilfsangebote vor Ort und vermitteln damit ins professionelle System hinein. So entsteht ein „Pflege-Mix“, an dem viele Akteure beteiligt sind, – Angehörige, Nachbarn, Professionelle und Freiwillige. Diese verbinden sich zu einem persönlichen Netzwerk, das entlastet und die Versorgung und Pflege zu Hause auch dort möglich macht, wo eine einzelne pflegende Person längst an persönliche Grenzen stoßen würde. Durch Pflegebegleitung gelingt es, die Inanspruchnahme entlastender Dienste zu verbessern. Dies ist vor allem für diejenigen pflegenden Angehörigen besonders wichtig, die vorher völlig alleine für die Pflegeaufgabe zuständig waren.

Die Freiwilligen kommen in dieses spezielle Engagement mit ganz unterschiedlichen Motiven und Erwartungen. Sie betonen aber häufig – und das ist eines der wichtigen Ergebnisse der Evaluation – dass die Vorbereitungskurse und die fachlich begleitete Tätigkeit in der Begleitungsarbeit eigene Fragen zum Thema Altern und Pflegebedürftigkeit zu beantworten helfen und dass sie selbst in vieler Hinsicht von dem Engagement profitieren.

 

Leitkonzpte

Die Profil- und Leitbildentwicklung von „Pflegebegleitung“ als freiwilligem, unentgeltlichen Engagement hat sich an drei Basiskonzepten orientiert: Empowerment, Kompetenzentwicklung und Vernetzung (vgl. ausführlich Bubolz-Lutz/ Kricheldorff 2006, S. 49 ff):

(1) Die Grundidee des Empowermentansatzes: „Stärken statt helfen“ auf der Grundlage des Menschenbildes „Vertrauen in die Stärken des Menschen“ findet ihren Niederschlag in der Begleitungspraxis der Freiwilligen, speziell in den Merkmalen

  • den „Eigen-Sinn“ der Pflegenden/ der Pflegesituation zu akzeptieren
  • als Gesprächspartnerin und Gesprächspartner „normativ enthaltsam“ zu sein
  • darauf zu verzichten, dem anderen Hilfsbedürftigkeit zuzuschreiben
  • dem Gegenüber das Recht auf eine selbstbestimmte Lebens- und Lerngestaltung zuzugestehen.

(2) Die Grundidee der Kompetenzentwicklung: „Fähigkeiten und Haltungen entwickeln, nicht nur Wissen ansammeln.“ In den Vorbereitungen kommt dem Erwerb von Kompetenzen Bedeutung zu. Folgende miteinander verwobene, aber dennoch voneinander abgrenzbare Kompetenzbereiche wurden spezifiziert, die sich speziell auf die Projektziele und -inhalte beziehen:

  • Sachkompetenz/ Verständnis,
  • Begleitungskompetenz,
  • Vernetzungs- und Feldkompetenz,
  • Selbstsorgekompetenz,
  • Reflexionskompetenz,
  • (Selbst-)organisationskompetenz.

Die genannten Komponenten gelten nicht nur als relevant für die Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter: Kompetenzerwerb soll durch die Pflegebegleitung auch bei den pflegenden Angehörigen angeregt werden. Zudem haben auch die Projekt-Initiatorinnen und Initiatoren ein entsprechendes Kompetenzprofil zu entwickeln.

(3) Die Grundidee der Vernetzung: „Kooperation statt Konkurrenz“ zeigt sich zum Beispiel in der Zusammenarbeit von beruflich und ehrenamtlich tätigen Projekt-Initiatorinnen und Projekt-Initiatoren. Sie arbeiten im „Tandem“. Vernetzung im Projekt wurde auch auf folgende Weise angestrebt:

  • unterschiedliche Kooperationspartner der Regionalbüros (Seniorenbüro Hamburg, Diakonisches Werk Dortmund, Paritätisches Bildungswerk Stuttgart, AWO-Sano Potsdam)
  • Trägervielfalt der Standorte
  • Kooperationen mit anderen Freiwilligeninitiativen
  • Patenschaften durch professionelle Partner in der Region.

 

Aufgreifen der Bedürfnisse pflegender Angehöriger

Pflegebegleitung folgt einem bedürfnisorientierten Ansatz. Ausgangspunkt des Engagements sind die ermittelten Bedürfnisse pflegender Angehöriger. Nur in Rückbezug auf sie werden die Aufgabenstellungen für Pflegebegleiter nachvollziehbar. In den einzelnen Begleitungen werden im Gespräch die wichtigsten nicht erfüllten Bedarfslagen herausgearbeitet.

Nachfolgende Abbildung zeigt die Bedürfnisse sowie die entsprechenden darauf bezogenen Angebote der PflegebegleiterInnen in einer Übersicht

Bedürfnisse Pflegepersonen

Aufgaben Pflegebegleitung